Ein Gebäude, das seit 120 Jahren steht, hat schon mehrere Arbeitswelten überlebt. Erst Briefe, dann Fernmeldetechnik, heute Ausbildung. Die Frage bei so einem Haus ist nie, ob man es erhält — sondern wie man es weiterbenutzt, ohne es zu beschädigen.
Im Kolping-Bildungszentrum Bamberg — der Leitstelle für Kolping Franken — haben wir aus einem Großraum zwei Räume gemacht: einen Schulungsraum und ein Lehrzimmer für die Koch- und Küchenschule. Sieben Arbeitstage, gelegt in das Fenster zwischen dem 27. Dezember und dem 6. Januar — bewusst über den Jahreswechsel, damit der Lehrbetrieb keinen einzigen Tag ausfällt.
Die Wilhelmspost: drei Nutzungen, ein Haus
Das Gebäude am Wilhelmsplatz 3 wurde zwischen 1904 und 1906 nach Plänen von Fritz Fuchsenberger als Königlich Bayerisches Oberpostamt errichtet — eine dreiflügelige Anlage in neubarocken Formen, mit hohem Turm und Zwerchgiebeln, direkt gegenüber dem Bahnhof. Sie steht als Baudenkmal unter Schutz und ist städtebaulich eine der prägenden Adressen der Stadt.

Aus dem Oberpostamt wurde später die Oberpostdirektion, dann ein Fernmeldeamt. Als die Post auszog, stand ein Haus da, das für genau eine Aufgabe gebaut worden war — und diese Aufgabe gab es nicht mehr. Die KLAPPAN Gruppe hat es zu einem gemischt genutzten Gebäude entwickelt: Handel, Dienstleistung, Büro, Gastronomie, Bildung.
Das ist die eigentliche Leistung im Umgang mit historischer Substanz. Ein Denkmal, das leersteht, ist gerettet und trotzdem tot. Erhalten heißt: eine neue Aufgabe finden, die zum Haus passt — und das Haus so ertüchtigen, dass sie funktioniert.
Genau an dieser Stelle fängt unsere Arbeit an.
Wir haben nichts angefasst, was älter ist als wir
Die Vorgabe war klar: Der Bestand bleibt unberührt.
Unsere Trennwände sind deshalb ein eingestellter Einbau, kein Eingriff. Sie stehen im Raum, sie tragen nichts, und sie lassen sich vollständig zurückbauen, ohne dass am historischen Gefüge eine Spur bleibt. Wenn in dreißig Jahren jemand entscheidet, dass hier wieder ein Großraum sein soll, geht das — mit einem Container Bauschutt und einer Woche Arbeit.
Zwei Dinge waren uns dabei besonders wichtig:
- Die Rundbogenfenster bleiben frei. Keine neue Wand läuft in eine Fensterachse hinein. Beide Räume behalten Tageslicht und den Blick nach draußen, und von außen ist der Fassade nicht anzusehen, dass innen etwas passiert ist.
- Das Deckengesims bleibt lesbar. Die Wände sind so ausgebildet, dass die historische Deckenzone nicht zerschnitten wird.
Das kostet Planungszeit und gelegentlich einen Zentimeter Nutzfläche. Es ist der Unterschied zwischen einem Umbau, der zum Haus passt, und einem, der ihm im Weg steht.
Knapp fünf Meter
Die eigentliche handwerkliche Herausforderung stand in der Raumhöhe: knapp fünf Meter.

Auf dem Papier ist eine hohe Wand dieselbe Wand wie eine niedrige. In der Praxis ändert sich alles:
- Die Aussteifung. Je höher eine Ständerwand, desto größer die Knicklänge des einzelnen Profils. Das entscheidet über Profilquerschnitt, Achsabstand und Beplankungsaufbau — hier doppelt beplankt, mit versetzten Plattenstößen zwischen den Lagen.
- Das Handling. Eine Gipsplatte wiegt, was sie wiegt, auch auf dem Rollgerüst. Jede Platte muss oben eingepasst, gehalten und verschraubt werden, während unten jemand ausrichtet.
- Die Geradheit über die Strecke. Eine Abweichung, die auf zweieinhalb Metern niemand sieht, wird auf fünf Metern zur sichtbaren Flucht.
- Der Takt. Gerüst stellen, arbeiten, umsetzen, neu ausrichten. Ein erheblicher Teil der Zeit geht für Bewegung drauf, nicht für Montage.
Q4, weil das Licht keine Gnade kennt
Die Oberflächen wurden in Qualitätsstufe Q4 ausgeführt — der höchsten Stufe der vier Spachtelqualitäten für Gipsplatten.

Kurz erklärt: Q1 verschließt nur die Fugen und ist für Flächen gedacht, die später verdeckt werden. Q2 ist der übliche Standard für Wände, die tapeziert oder mit strukturierten Belägen versehen werden. Q3 legt nach. Q4 bedeutet, dass die gesamte Fläche überzogen wird, sodass Plattenstoß und Fläche optisch nicht mehr unterscheidbar sind.
Q4 kostet spürbar mehr Zeit und Material. Hier war es keine Frage von Anspruch, sondern von Physik: Ein Raum mit fünf Meter hohen Fenstern bekommt Streiflicht — Licht, das flach über die Wandfläche streicht. Streiflicht macht aus jeder nicht überarbeiteten Fuge einen Schatten, der über die ganze Wandhöhe läuft. In einer Q2-Ausführung wäre in diesem Raum jeder Plattenstoß ablesbar gewesen.
Dämmung ist hier kein Wärmethema
In das Ständerwerk kam Mineralwolle. Nicht wegen der Wärme — die Räume liegen innen — sondern wegen des Schalls.

Auf der einen Seite Unterricht, auf der anderen eine Lehrküche mit Dunstabzug, Geräten und einer Gruppe, die arbeitet und dabei redet. Eine unbedämmte Ständerwand ist in dieser Konstellation ein Hohlraum, der Geräusche verstärkt statt sie zu bremsen. Die Wolle nimmt der Luft im Wandinneren die Möglichkeit, mitzuschwingen.
Es ist der klassische Fall einer Position, die man beim Vergleichen von Angeboten streichen kann — und die im Betrieb jeden Tag den Unterschied macht.
Farbe: Latex, wo abgewischt wird. Und sonst nicht.
Grundierung und Farbe kamen von unserem Partnerlieferanten Prosol, das Weiß über Meier Baustoffe in Lauf.

Auf die frischen Q4-Flächen kam zunächst Tiefengrund ELF — emissionsarm und lösemittelfrei, was in einem Raum, in dem Auszubildende täglich mehrere Stunden verbringen, kein Nebenkriterium ist. Die Grundierung verfestigt die Oberfläche und vereinheitlicht die Saugfähigkeit; ohne sie zieht frischer Spachtel die Farbe ungleichmäßig und die Wand wird fleckig.
Dann die eigentliche Entscheidung, und die ist bewusst zweigeteilt:
Latexfarbe dort, wo geputzt wird. In den Räumen der Koch- und Küchenschule landet zwangsläufig etwas an der Wand. Latexfarben bilden einen dichten, scheuerbeständigen Film — man kann mit dem feuchten Tuch drüber, ohne dass die Farbe abkreidet. Für einen Ausbildungsbetrieb, in dem täglich gekocht wird, ist das der Unterschied zwischen einer Wand, die fünf Jahre hält, und einer, die nach einem Jahr gestrichen werden muss.
Hochpigmentiertes Weiß von HECK auf den übrigen Flächen. Denn was Latex scheuerbeständig macht, macht ihn auch dicht: Er bremst den Feuchtetransport durch die Wandoberfläche. Eine komplett in Latex gestrichene Raumhülle nimmt der Wand die Fähigkeit, Feuchtespitzen zu puffern — und in einem Raum, in dem gekocht wird, entstehen Feuchtespitzen. Deshalb bekommt nur die beanspruchte Zone den dichten Film, der Rest bleibt diffusionsoffener.
Hochpigmentiert heißt dabei schlicht: mehr Weißpigment, bessere Deckkraft, weniger Durchgänge. Auf fünf Meter hohen Wänden ist jeder eingesparte Anstrich ein spürbarer Posten.
Warum wir für Kolping arbeiten
Kolping ist für uns kein Kunde wie jeder andere.
Hier werden junge Menschen ausgebildet, die anschließend genau die Arbeit machen, von der auch unser Gewerbe lebt: Handwerk, Küche, Dienstleistung. Wer sich darüber beklagt, dass es keine Fachkräfte mehr gibt, sollte sich vorher fragen, was er dafür getan hat, dass es welche gibt.
Wir unterstützen Kolping deshalb nicht nur als Auftragnehmer, sondern auch mit Spenden und mit unserem Können. Ein Raum, in dem besser gelernt werden kann, ist eine Investition, die sich nicht auf unserer Rechnung wiederfindet — sondern in fünf Jahren auf irgendeiner Baustelle in Franken.
Was am Ende dasteht
Zwei helle Räume mit voller Deckenhöhe, freien Fensterachsen, sauberen Q4-Oberflächen und Wänden, die den Alltag einer Küchenschule aushalten. Das Haus von 1906 hat davon nichts abbekommen.
Erhalten und weiterbenutzen ist kein Widerspruch. Es ist nur mehr Arbeit.
Alle Bilder vom Vorher bis zur Übergabe finden Sie in der Projektübersicht zu diesem Umbau.
Sie planen einen Gewerbeumbau, Schulungsräume oder Trockenbau im Bestand — in Bamberg, Nürnberg, Bayreuth oder im Nürnberger Land? Wir arbeiten auch in laufenden Betrieben und in denkmalgeschützter Substanz, auf Wunsch inklusive Elektrik und Netzwerktechnik. Sprechen Sie uns an.