Eine Fliese von 80 mal 80 Zentimetern wiegt rund dreizehn Kilo und hat 3,2 Meter Kante. Jeder Millimeter, den sie falsch liegt, ist von der anderen Seite des Raums aus sichtbar. Bei 50 Quadratmetern über drei zusammenhängende Räume kommt einiges davon zusammen.
In Teil 1 ging es um alles unter der Fliese: ARDEX FE Fließestrich über der Fußbodenheizung, CM-Messung, Funktionsheizen, Entkopplungsmatte. Jetzt liegt der Belag darauf — in Küche, Flur zum Schlafzimmer und dem ersten Teil des Wohnraums.
Ausgesucht wird im Showroom, nicht im Katalog
Material und Beratung liefen wie im gesamten Projekt über unseren Partner Fliesen Fischer in Lauf. Das ist mehr als eine Bezugsquelle.
Die Fliese für eine Wohnung sucht man nicht anhand von Produktfotos aus. Man muss sie in der Hand halten, im Format sehen, bei Tageslicht neben die Wandfarbe legen. Unser Bauherr hat genau das getan — begleitet vom Fachpersonal im Showroom in Lauf und parallel von unserem eigenen Architektur- und Designteam.
Diese Doppelbegleitung ist Absicht. Das Fachpersonal kennt das Sortiment und weiß, welche Serie in welcher Verlegeart funktioniert. Unser Team weiß, wie der Raum am Ende aussieht, wo das Licht herkommt und was mit den vorhandenen Holzbalken zusammengeht. Der Kunde entscheidet — aber nicht allein und nicht ins Blaue.
Was auf dem Etikett steht — und was es bedeutet
Geworden ist es FSZ Forme avorio, Feinsteinzeug im Format 80 × 80 bei 9 mm Stärke, rektifiziert, Rutschhemmung R10/B. Drei dieser Angaben entscheiden über die Arbeit.
Rektifiziert heißt: Die Fliese wird nach dem Brand auf exaktes Maß nachgeschnitten. Ohne diesen Schritt schwankt jede Keramik in den Abmessungen, weil sie im Ofen unterschiedlich schwindet — deshalb brauchen unrektifizierte Fliesen breite Fugen, die diese Toleranz schlucken. Rektifiziert erlaubt schmale Fugen und ein ruhiges Fugenbild.
Der Preis dafür: Es gibt nichts mehr zu verstecken. Eine breite Fuge verzeiht einen Versatz von einem Millimeter. Eine schmale legt ihn offen.
R10/B sind zwei verschiedene Angaben, die oft in einen Topf geworfen werden. Das R10 kommt aus der Prüfung für Bereiche, die mit Schuhwerk begangen werden — ermittelt auf der schiefen Ebene, geölt, nach DIN 51130. Das B stammt aus einer eigenen Prüfung für nassbelastete Barfußbereiche nach DIN 51097. Die Fliese trägt also beides: griffig genug für den Flur mit Schuhen, geeignet für das barfuß begangene Bad. Für eine Wohnung mit Bad ist das die sinnvolle Kombination — sicher im Nassen, glatt genug, um sich gut reinigen zu lassen.
9 mm Stärke klingt nach einer Nebensache, ist aber der Grund, warum Zuschnitte hier länger dauern als bei dünnerem Material.
Ein Raster für die Wohnfläche, nicht eines pro Raum

Der eigentliche Anspruch bei diesem Projekt lag nicht in der einzelnen Fliese, sondern in der Fläche als Ganzes.
Küche, Flur und Wohnraum hängen hier zusammen. Wenn ein Belag durch mehrere Räume läuft, muss das Fugenraster durch die Türöffnungen hindurch weiterlaufen. Wer Raum für Raum plant, bekommt an jeder Schwelle einen Versatz — und wo zwei Räume aufeinandertreffen, sieht man sofort, dass niemand vorher nachgedacht hat.
Also wird das Raster einmal über die gesamte Fläche gelegt. Die Fragen dahinter:
- Welche Achse gibt den Ton an? Meistens die längste Sichtlinie, hier durch den offenen Wohnbereich.
- Wo landen die Randstücke? Ein Streifen unter fünf Zentimetern an einer sichtbaren Wand ist ein Planungsfehler, kein Materialproblem.
- Wo stehen feste Bauteile? Die Holzstütze mitten in der Fläche entscheidet mit, wo eine Fuge liegen darf.
- Wo sitzen die Türen? Schwellen sind die Stellen, an denen ein durchlaufendes Raster sichtbar wird — im Guten wie im Schlechten.
Wo das Raster endet, ist ebenfalls eine Entscheidung. Bad und Gäste-WC bekommen nicht dasselbe Format, sondern 60 × 60 — ein kleineres Format ist in Nassbereichen leichter ins Gefälle zu bringen und lässt sich um Abläufe und Vorwände herum sauberer teilen. Der Wechsel passiert deshalb bewusst an der Türschwelle und über ein Übergangsprofil, nicht irgendwo im Raum.
Das ist kein Bruch im Konzept, sondern seine Konsequenz: Wohnflächen bekommen die ruhige große Fläche, Nassbereiche das Format, das dort funktioniert. Wer beides mit derselben Fliese erschlagen will, zahlt es entweder an der Optik oder am Gefälle.
Genau diese Rechnerei war der Anlass, warum wir uns irgendwann den A+S Verlegeplaner gebaut haben: Raum anlegen, Format und Fugenbreite eintragen, Verlegeplan mit Schnittliste bekommen. Kostenlos, im Browser, ohne Konto.
Kleber muss ins Gewebe, nicht nur an die Fliese

Auf einer Entkopplungsmatte gelten dieselben Regeln wie sonst, nur mit einer Zusatzbedingung: Der Kleber muss sich oben im Glasgittergewebe der Matte verzahnen. Wird er nur aufgekämmt und die Fliese draufgelegt, entsteht kein Verbund, sondern eine Auflage.
Deshalb: Kleber in den Untergrund einarbeiten, dann aufkämmen, in eine Richtung, damit die Luft beim Andrücken entweichen kann. Bei diesem Format zusätzlich Buttering-Floating, also Kleber auch auf die Fliesenrückseite. Ziel ist Vollbett — keine Hohllage unter der Fläche, an keiner Stelle.
Der Aufwand ist erheblich, und man sieht ihn dem fertigen Boden nicht an. Man hört ihn: Ein Boden ohne Hohlstellen klingt beim Abklopfen überall gleich.
Nivelliersystem, weil das Auge gnadenlos ist

Über die Fläche verteilt sieht man auf den Bildern hunderte rote Keile und weiße Laschen. Das Nivelliersystem hält benachbarte Fliesen exakt bündig, solange der Kleber zieht.
Bei 80 cm Kantenlänge ist das kein Komfort, sondern Notwendigkeit. Ein Höhenversatz von einem halben Millimeter zwischen zwei Fliesen wirft bei flach einfallendem Licht — und ein Dachgeschoss hat viel davon — einen Schatten über die volle Kantenlänge. Man sieht ihn quer durch den Raum, ohne ihn zu suchen.
Nachjustieren geht nur, solange der Kleber weich ist. Danach entscheidet er.
Wo die Fugen hingehören, die niemand haben will
Der Punkt, an dem ein durchgehender Fliesenboden auf beheiztem Estrich am häufigsten scheitert.
Ein beheizter Estrich wird in Felder aufgeteilt, die sich unabhängig voneinander bewegen dürfen. Diese Feldbegrenzungsfugen müssen im Fliesenbelag an derselben Stelle fortgeführt werden. Wer darüber hinwegfliest, verbindet zwei Felder, die sich gegeneinander bewegen wollen — der Riss kommt dann nicht vielleicht, sondern zuverlässig.
Dazu kommen Randfugen an allen aufgehenden Bauteilen: Wände, Stützen, Türzargen. Sie sehen aus wie eine Schlamperei, die man später mit Sockelleiste verdeckt, und sind in Wahrheit der Raum, den die Fläche zum Arbeiten braucht.
Eine Bewegungsfuge im Wohnzimmer will niemand. Ein Riss quer durch drei Fliesen will noch weniger jemand.
So weit sind wir
Küche, Flur und der erste Teil des Wohnraums liegen, das Raster läuft durch.
Was noch kommt, wird anspruchsvoller: Der zweite Teil des Wohnraums bekommt Einsätze aus Hexagon-Fliesen. Ein Wechsel des Formats mitten in der Fläche ist etwas anderes als ein Wechsel an einer Türschwelle — dazu später mehr.
Im Bad desselben Geschosses ging es parallel weiter, mit Verbundabdichtung und Wandfliesen. Darüber berichten wir in der Bad-Reihe.
Fertig ist ein Boden erst mit Verfugung und Silikon. Bis dahin zeigen wir ihn so, wie er ist.
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