Ein Bad, in dem alles gefliest ist, ist kein Qualitätsmerkmal. Es ist meistens nur der Beweis, dass niemand entschieden hat, wo aufgehört werden soll.
Der Stand nach Teil 3: Boden und Wände liegen, die Vorwände stehen, die Duschnischen sind eingefasst. Die Badewanne ist gesetzt. Offen ist nur noch die alte Bestandswand — und die Fensterlaibung.
Der Strich, der über die Kante entscheidet

Bevor die letzte Fliese an der Fensterwand sitzt, wird angezeichnet, wo sie endet.
Das klingt banal und ist es nicht. Die Wandfliese läuft auf die Laibung zu und muss dort exakt bündig auslaufen — nicht einen Millimeter darüber, nicht einen darunter. Steht sie vor, entsteht eine Kante, an der man beim Putzen hängen bleibt. Bleibt sie zurück, muss der Putz die Differenz kaschieren, und das sieht man.
Also: messen, anzeichnen, dann kleben. Ein Bleistiftstrich auf der Abdichtungsbahn, der nach dem Verfliesen niemanden mehr interessiert und vorher über die ganze Kante entscheidet.

Warum in die Laibung kein Ton kommt
An dieser Stelle hört die Keramik auf. Links, rechts und oben bekommt die Fensterlaibung Kalkzementputz.
Das ist eine bewusste Entscheidung, und sie hat drei Gründe.
Die Laibung liegt außerhalb der Zone, die Wasser abbekommt. Das Fenster sitzt über der Badewanne — und über dieser Wanne hängt keine Brause. Geduscht wird gegenüber, in der Walk-in-Dusche. Die Laibung bekommt damit Spritzer ab, wie sie in jedem Wohnraum vorkommen, aber keine Beanspruchung, die eine Abdichtung verlangt. Die geflieste Fläche endet dort, wo die Beanspruchung endet.
Am Fenster entsteht Kondenswasser, nicht Spritzwasser. Das sind zwei verschiedene Probleme. Gegen Spritzwasser hilft eine dichte Oberfläche. Gegen Kondensat hilft das Gegenteil: ein Baustoff, der Feuchtigkeit aufnehmen, zwischenspeichern und wieder abgeben kann. Kalkzementputz kann das. Eine Fliese kann es nicht — an ihr läuft das Kondensat herunter und sammelt sich in der Fuge.
Kalkzementputz ist alkalisch. Dieses Milieu mögen Schimmelpilze nicht. Ausgerechnet an der Fensterlaibung, der kältesten Stelle einer Außenwand, ist das kein Nebeneffekt, sondern das Hauptargument.
Wer im Bad restlos alles fliest, behandelt jede Fläche gleich — obwohl sie es nicht sind.
Eine Fensterbank aus Holz
Die Fensterbank wird auf Wunsch des Bauherrn aus Hartholz gefertigt.
Man kann darüber streiten, und wir haben es getan. Am Ende spricht Folgendes dafür: Die Bank liegt oberhalb jeder Spritzwasserzone. Sie ist die einzige Fläche im Raum, die man im Vorbeigehen anfasst — und Holz fühlt sich bei zwanzig Grad anders an als Stein. In einem Bad, das sonst konsequent aus Keramik, Zement und Glas besteht, ist sie der einzige warme Punkt.
Ein Bad muss nicht nur funktionieren. Man steht jeden Morgen darin.
Die Wanne steht

Die Wanne ist für zwei Personen ausgelegt und sitzt unter dem Fenster, in der niedrigsten Zone des Raumes. Das ist kein Zufall: Unter einer Dachschräge ist der Platz, an dem man liegt, der einzige, an dem geringe Höhe nicht stört.
Bei einer Sanierung im Bestand entscheidet sich so etwas früh. Die Wanne bestimmt, wo Ablauf und Zuleitung liegen — und damit, was an der Wand dahinter passieren kann und was nicht.
Vier Flächen, vier Aufbauten

Wenn man das Bad an diesem Punkt einmal herumgeht, hat praktisch jede Fläche einen anderen Aufbau bekommen — und zwar nicht aus Willkür.
Die Duschwand ist bis zur Decke abgedichtet, obwohl die Norm weniger verlangt. Die Waschtischwand ist abgedichtet und gefliest bis zur Höhe, die es braucht. Die Fensterlaibung bekommt Putz. Und die alte Bestandswand bekommt eine Vorsatzschale, weil sie ohne diese gar nicht zu gebrauchen wäre.
Das ist die eigentliche Arbeit an einer Badsanierung, und man sieht sie am fertigen Raum nicht mehr: für jede Fläche zu entscheiden, welcher Beanspruchung sie ausgesetzt ist und welcher Aufbau dazu gehört. Ein Bad, das überall gleich behandelt wird, ist an manchen Stellen überbaut und an anderen zu dünn.
Was als Nächstes kommt
Bleibt die große Unbekannte: die alte Wand gegenüber. Vierzig Zentimeter Bestand, freigelegt bis auf den Untergrund, weder verputzt noch gedämmt.
Davor entsteht gerade eine Vorsatzschale — und zwar aus Holz. In einem Badezimmer. Das ist keine Verlegenheitslösung, sondern eine Entscheidung mit drei Gründen, und darum geht es im nächsten Teil.
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