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Baustellentagebuch Bad, Teil 3: Zwei Nischen, ein Fugenraster

30. Juli 2026
Zwei übereinanderliegende Duschnischen im Vorwandaufbau, mit großformatigen Wandfliesen eingefasst, daneben die freigelegte Altwand

Eine Nische in der Duschwand ist der Ort, an dem sich zeigt, ob jemand vorher gerechnet hat. Man kann sie nachträglich in eine fertige Fläche schneiden — dann sitzt sie irgendwo. Oder man plant die Wand um sie herum, dann sitzt sie im Raster.

In Teil 1 ging es um Untergrund, Verbundabdichtung und Boden, in Teil 2 um die erste Wand. Inzwischen stehen die Vorwände, und mit ihnen das auffälligste Detail dieses Bades: zwei Ablagenischen übereinander.

Was hinter der Fliese steckt

Vorwand im Aufbau: Metallständerwerk mit Abdichtungsbahn, die beiden Nischenöffnungen noch offen, daneben die abgeschlagene Altwand

Der Aufbau ist konventionell und genau deshalb belastbar: Metallständerwerk, darauf doppelt aufgedoppelter Feuchtraum-Gipskarton, das Ganze bis zur Decke mit wasserundurchlässigen Bahnen von team-tec versiegelt — dem System, das wir über unseren Partner Fliesen Fischer in Lauf beziehen und das schon in Teil 1 den Boden abgedichtet hat.

Zwei Entscheidungen daran sind nicht selbstverständlich.

Doppelt beplankt. Eine Lage würde tragen. Zwei Lagen machen die Fläche steifer, und Steifigkeit ist bei 60 × 120 kein Luxus — je größer die Fliese, desto weniger verzeiht der Untergrund Durchbiegung. Außerdem gibt eine zweite Lage der Nische überhaupt erst eine Laibung, in die man sauber einfliesen kann.

Abdichtung bis zur Decke, nicht bis zur Spritzwassergrenze. Die Norm verlangt weniger. Aber die Grenze zwischen „hier spritzt es noch” und „hier nicht mehr” ist eine Linie auf dem Papier, und Wasserdampf kennt sie nicht. Der Aufpreis ist Material für ein paar Quadratmeter. Der Schaden, den man sich damit erspart, ist eine ausgebaute Wand.

Warum die Nischen dort sitzen, wo sie sitzen

Die Nischen waren ein Wunsch des Bauherrn aus der Planung — Ablagefläche in der Dusche, ohne dass später ein Korb an der Wand hängt.

Die beiden Nischen mit eingefassten Fliesen, Nivelliersystem an den Kanten, darunter die Anschlüsse

Zwei übereinander, jeweils rund 50 cm breit, etwa 16 cm hoch und 11 cm tief. Diese Maße sind nicht gerundet, weil sie schön klingen. Sie kommen aus dem Fugenraster.

Wenn eine Nische mittig in einer Fliese sitzt, entsteht ringsherum ein Kranz aus Passstücken, und jede Kante ist ein Schnitt, der sichtbar bleibt. Liegen die Nischenkanten dagegen auf Fugen, verschwindet der Übergang in einer Linie, die ohnehin da ist. Die Nische wirkt dann nicht wie ein Loch in der Wand, sondern wie ein Teil davon.

Dafür muss man die Wand rückwärts denken: erst das Raster, dann die Nische, dann das Ständerwerk. Nicht umgekehrt.

Und dann das, was man auf keinem Foto sieht: Gefälle. Der Boden jeder Nische ist leicht nach vorne geneigt. Ohne diese Neigung steht in der Ablage nach jedem Duschen Wasser — erst ein Film, nach ein paar Monaten ein Rand, irgendwann ein Fleck in der Fuge. Es sind wenige Millimeter Unterschied über elf Zentimeter Tiefe, und sie entscheiden darüber, ob die Nische in fünf Jahren noch gut aussieht.

Licht bekommen die Nischen bewusst keines. Auch das ist eine Entscheidung, die jetzt fällt und nicht später: Ein Kabel in eine fertig abgedichtete und geflieste Vorwand nachzuziehen, ist praktisch nicht möglich, ohne die Abdichtungsebene zu öffnen. Wer eine beleuchtete Nische will, muss das vor dem Ständerwerk sagen — nicht beim Verfugen.

Der Kompromiss, den wir eingehen mussten

Die Außenkanten laufen über Schlüter JOLLY-Profile. Die Wahl fiel nicht auf Schlüter, weil es Schlüter ist, sondern weil kein anderes Profil farblich so nah an die Fliese kam — die Wandfliese ist eine FSZ slab2 ice matt im Format 60 × 120 bei 9 mm, verfugt wird mit Mapei Ultracolor Plus im Farbton 137 Karibik.

Das Format ist bewusst gewählt, und ebenso seine Ausrichtung: Die 120 cm stehen senkrecht, die 60 cm laufen waagerecht. Eine liegende Verlegung hätte den Raum in die Breite gezogen. Stehend zieht sie ihn nach oben — in einem Dachgeschossbad, das ohnehin nicht mit Höhe gesegnet ist, macht das mehr aus als jede Farbwahl. Dazu kommt: Je größer die Fliese, desto weniger Fugen, und desto ruhiger wirkt eine kleine Fläche.

Am Boden liegt dieselbe Serie in anderer Ausführung: slab2 jade matt im Format 60 × 60, verfugt in Anthrazit, ebenfalls von Mapei. Boden und Wand kommen also aus einer Familie, nur in zwei Tönen — das ist der unauffälligere Weg, einen kleinen Raum zusammenzuhalten, als zwei völlig verschiedene Serien aufeinander abzustimmen.

Bei den Fugen gehen die beiden Flächen bewusst auseinander. Der helle Ton an der Wand lässt die Fugen zurücktreten, sodass die große Fläche ruhig bleibt. Am Boden ist Anthrazit die praktischere Wahl: Eine dunkle Bodenfuge zeigt nicht bei jedem Blick, dass zwei Wochen keiner gewischt hat.

Dieselbe Logik gilt für die Profile. Alle Kanten laufen über JOLLY-Schienen, aber nicht überall in derselben Ausführung — jede ist auf die Fliesen- und Fugenfarbe der Fläche abgestimmt, an der sie sitzt.

Interessant war die Ausrichtung der Schienen. Ein JOLLY-Profil hat eine breite und eine schmale Sichtseite. Wir haben die breite Seite auf den schmalen Wandstreifen zwischen WC und Dusche gelegt — damit wirkt die große, zusammenhängende Wandfläche an ihrer Kante filigraner. Eine Entscheidung, die man nur einmal trifft und danach jeden Tag sieht.

Ehrlicherweise: Ästhetisch wäre es besser gewesen, an beiden Seiten eine schmale Ansicht zu haben. Nur gibt es das in diesem Farbton beschichtet nicht. Also haben wir aus zwei Seiten die eine ausgewählt, die sichtbarer ist, und ihr die ruhigere Kante gegeben.

Solche Punkte stehen in keinem Angebot und in keiner Abnahme. Sie sind der Unterschied zwischen einem Bad, das funktioniert, und einem, über das man auch nach Jahren nicht nachdenkt.

Was hinter der Waschtischwand schon vorbereitet ist

Wandfläche mit großformatigen Fliesen, den Wasseranschlüssen für den Waschtisch und zwei Durchbrüchen für die Elektroinstallation

Neben den beiden Wasseranschlüssen sieht man auf diesem Bild zwei runde Durchbrüche. Die haben nichts mit Sanitär zu tun — dahinter liegt die Elektrik für Spiegelschrank, Steckdose und Licht.

In Teil 2 haben wir geschrieben, dass eine offene Wand der günstigste Moment für alles ist, was danach verschwindet. Das hier ist derselbe Satz, nur als Foto: Solange die Vorwand offen war, hat eine zusätzliche Dose Minuten gekostet. Nach dem Verfliesen wäre sie ein Aufputzkabel geworden — oder gar nicht gekommen.

Auch hier gilt die Rasterlogik. Wo Armaturen, Durchbrüche und Revisionsöffnung sitzen, bestimmt mit, wo geschnitten werden darf. Ein Anschluss, der einen Zentimeter neben einer Fuge landet, erzeugt ein Passstück, das man nie wieder wegbekommt. Deshalb werden die Positionen abgeglichen, bevor der erste Kleber angerührt wird — nicht, wenn die Fliese schon an der Wand hängt.

Was als Nächstes kommt

Die freigelegte Altwand mit abgeschlagenem Putz, vorbereitet für den kommenden Wandvorbau

Die Wand gegenüber ist bis auf den Untergrund freigelegt. Sie bekommt einen eigenen Vorbau: Holzunterbau, darauf zementgebundene Bauplatten. Erst wenn das übrige Bad steht, fangen wir damit an.

Und dann wird es an dieser Stelle richtig interessant, denn dort entsteht die bodengleiche Dusche. Wir arbeiten dabei mit einer Blanke DIBA-LINE — einer Duschrinne, die mit 54 mm Einbauhöhe auskommt. In einem Altbau, in dem man jeden Zentimeter Aufbauhöhe verhandeln muss, ist das kein Detail, sondern oft die Entscheidung darüber, ob eine bodengleiche Dusche überhaupt geht.

In Teil 4 geht es zunächst um die Fensterlaibung — und darum, wo das Fliesen bewusst aufhört. In Teil 5 dann um die Vorsatzschale vor der alten Wand, die wir aus Holz gebaut haben.

Darüber schreiben wir, wenn es soweit ist. Nicht früher.


Sie planen eine Badsanierung im Nürnberger Land — Raum Nürnberg, Lauf, Hersbruck, Bamberg oder Bayreuth? Wir übernehmen das komplette Bad aus einer Hand: Rückbau, Untergrund, Verbundabdichtung, Vorwandinstallation, Fliesen, Sanitär und auf Wunsch die Elektrik dazu. Sprechen Sie uns an.

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